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In Großbuchstaben springt es einem entgegen: ACHTUNG! ERST DAMPF ABLASSEN, DANN SCHÄUMEN! Der Hinweis im mit Fünfziger-Jahre ausstaffierten Besprechungs- und Vorführraum bezieht sich primär auf die Espressomaschine, taugt aber auch als Metapher für deren Besitzer. Denn die vereinen Gelassenheit mit kämpferischem Stehvermögen. Und das ist nicht der einzige Widerspruch, den Claus Strigel und Bertram Verhaag, Geschäftsführer der Denkmal- Filmgesellschaft in München, seit über zwanzig Jahren auf kreative Weise aushalten.

"Ein Claus Strigel und Bertram Verhaag Film" steht auf den Plakaten und im Abspann der Werke der Autorenfilmer. Auftritt immer zu zweit - unabhängig davon, in welchem Maße die beiden an den einzelnen Projekten beteiligt sind. Ein Relikt aus den Kollektiv-Zeiten der 70er Jahre. "wenn ein Film als von uns beiden gemacht bezeichnet ist, war's immer etwas schwierig, für sich persönlich die Befriedigung rauszuziehen", gibt Bertram Verhaag zu. Sie haben sich den Anspruch, die

widersprüchlichen Parameter Kollektivgeist und künstlerische Individualität auf einen Nenner zu bringen, einige Energie kosten lassen. "Aber im Laufe der Zeit", erklärt Verhaag den Lohn der Ausdauernden, "hat sich da eine besondere Art der Zusammenarbeit herausgebildet. jeder hat seine eigene Handschrift, und wir arbeiten uns dennoch gegenseitig zu." Details über die Konfliktbewältigung werden nicht erzählt - aber irgendwo müssen die zerfurchten Stirnen und die lichten Haarschöpfe ja herkommen. Vielleicht stammen sie aber auch von einem anderen Widerspruch - dem für den Zustand der ganzen Dokumentarfilmbranche vielleicht bezeichnendsten: Künstlerisch ist Denkmal- Film mit zwei Grimme- und unzähligen anderen Preisen äußerst erfolgreich - als nächstes kommt der"civis-Preis für Leben in der kulturellen Vielfalt" für den Film "Blue-eyed - Blauäugig" am 9. Dezember. "Aber die vielen Preise", seufzt Bertram Verhaag, "haben eben nicht zur Folge, daß die Redaktionen auf der Matte stehen und sagen: Toll, was ihr macht, hier ist das nächste Projekt! Ein neues Filmprojekt durchzusetzen, ist im Grunde jedesmal der gleiche Kampf"

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    • Rückblende. 1976 geben sich drei hoffnungsfrohe JungFilmer (einer steigt 1983 aus) den Namen "Denkmal" und eine Latte hehrer Grundsätze: Arbeit im Kollektiv, gemeinsamer Besitz und Kontrolle der Produktionsmittel, eigene Wahl der Themen, selbstverständlich mit politisch- sozialem Schwerpunkt. Vor allem aber: Selbstbestimmung. "Wir haben uns inhaltlich die Vorgabe gegeben, daß wir nur die Filme machen wollen, die uns interessieren-, erzählt Verhaag, der nach Soziologiestudium und Arbeit als Stadtentwicklungsplaner 1975 die Münchner Filmhochschule absolviert hatte. "Das heißt, wir überlegen uns, welche Themen wir wollen, und dann suchen wir uns Redakteure, die sich daran beteiligen."

Und die Bilanz nach zwanzig Jahren?
"Es hat sich bewährt, daß wir uns an die von uns selbst gesetzten Prinzipien gehalten haben", sagt Claus Strigel, mit 42 Jahren über zehn Jahre jünger als Verhaag. Die Lage könnte freilich besser sein: "Dokumentarfilm rangiert in der Wertschätzung immer noch hinter der Unterhaltung und sonstigen Programmen", konstatiert er - und schwärmt von den Verhältnissen bei der BBC, die mit professionellem Aufwand ihre vielgerühmten Dokumentationen macht - "und damit großen Erfolg hat!" Nicht so in Deutschland.

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