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SEKEM - ein Entwicklungsprojekt, das funktioniert

"Oase inmitten einer lebensfeindlichen Umgebung? Ich wollte eigentlich mehr:
Ich wollte, dass sich die ganze Welt entwickelt.”

Bescheiden war die Vision Abouleishs nicht. Die weltweite Bedeutung seines Ansatzes aber scheint gerade in letzter Zeit wieder bestätigt.

Denn während im Juli diesen Jahres die G-8-Industriestaaten in Gleneagles beschlossen, die Entwicklungshilfen zu erhöhen – dazu aufgefordert u.a. von der Union der afrikanischen Staaten und angefeuert durch internationale Mega-Pop-Konzerte – kam in einer kleinen Randnotiz der Medien eine andere Stimme zu Wort: “Die furchtbare Hilfe sofort komplett einstellen!”, forderte einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler Afrikas, der Kenianer James Shikwati. Denn: sie lindere keinen Hunger sondern produziere Hungersnöte. Sie mache die Bevölkerung der Dritten Welt zu Abhängigen der Großunternehmen, zu Tagelöhnern und Bettlern, ruiniere die kleinen Landwirtschaften und Gewerbe.

Shikwati benennt das Drama der viele Jahrzehnte alten Praxis internationaler Entwicklungspolitik – einer Entwicklungspolitik, die wohl Wirtschaftswachstum bringt, aber zerstörte soziale Strukturen, zerstörte Kulturen und zerstörte Natur und Umwelt hinterläßt. Das Drama einer Entwicklungspolitik, die das Versprechen des allgemeinen Wohlstands nirgendwo eingelöst hat, die kein Rezept gegen die stetige Ausbreitung von Armut und Krankheit gefunden hat, und die doch kein anderes Konzept hat als das “Weiter so!” und “Mehr davon!”.

Ein solches mit Entwicklungshilfe-Mitteln gefördertes Großprojekt war in Ägypten zum Beispiel der Assuan-Staudamm im Nil gewesen – gebaut, um dem Land Elektrizität und Wohlstand zu bringen – mit immensen Folgeproblemen, die man nicht berücksichtigt hatte: Wasser, der für das Land knappste und kostbarste Rohstoff, verdunstet in gigantischen Mengen; die natürlichen Nilüberflutungen gibt es seither nicht mehr und mit ihnen fehlt die natürliche Düngung des Nilschlammes; die einst fruchtbarsten landwirtschaftlichen Anbaugebiete des Landes wurden abhängig von chemischer Düngung; die kleinen bäuerliche Existenzen am Ufer des Nil wurden vernichtet; die stehenden Gewässer in den Kanälen wurden zu Brutherden für gefährliche Bakterien und Krankheitserreger.

Vor diesem Hintergrund wird erkennbar, dass SEKEM eine Pionierleistung allerersten Ranges darstellt. Denn SEKEM geht einen anderen Weg als die weltweit üblichen entwicklungspolitischen Großprojekte, die für die Maximierung der wirtschaftlichen Entwicklung immense Folgekosten in Kauf nehmen. So gehören zur sichtbaren Bilanz von SEKEM nicht nur 2000 neue Arbeitsplätze, sondern auch die Zukunftssicherung von vielen Hunderten bäuerlichen Kleinbetrieben im Land. Dazu gehört die geduldige Fruchtbarmachung des ehemals kargen Wüstenbodens und die Wiederansiedelung von zahlreichen fast ausgestorbenen Vogelarten und Kleintieren. Vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten werden vermehrt und in Samenbanken gepflegt. Das Besprühen riesiger Agrarflächen mit Pestiziden aus dem Flugzeug wurde durch SEKEMs Vorbild und Intervention in ganz Ägypten eingestellt; im Baumwollanbau wurde die Chemisierung der Landwirtschaft um 90% zurückgefahren. Die Forschung zu pflanzlichen Heilmitteln wurde neu eingeführt – nachdem ein Bewusstsein über die verheerenden gesundheitlichen Folgen durch unmäßigen chemischen Arzneimittelkonsum entstanden war. SEKEM erscheint sichtbar als eine Gemeinschaft, die die landesweit begehrtesten Fachkräfte ausbildet, die musiziert, malt und tanzt, die ein Umfeld wie eine paradiesische Oase schafft und die Produkte höchster Qualität auf den Markt bringt.
SEKEM ist ein Entwicklungsprojekt, das funktioniert – und alles das erreicht, was Entwicklung wohl immer versprochen hat, aber kaum jemals eingelöst hat: Wohlstand in einem umfassenden Sinn - für alle; Reichtum und Vielfalt ökologisch, kulturell, geistig und sozial.

Das komplexe Geflecht aus vielfältigen Aktivitäten und Projekten ist inzwischen in Europa und den USA mehrfach gerühmt worden. Das schöne Erscheinungsbild von SEKEM ist bekannt. Offen bleibt aber bisher die Frage, die sich alle Besucherinnen und Besucher des Projektes schließlich stellen: Wie kommt es, dass in SEKEM das funktioniert, was andernorts so oft scheitert? Was ist in SEKEM anders als in anderen Projekten?

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