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Wie tut SEKEM das, was es tut?
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Gleich am Anfang setzte Abouleish Bäume in dem Land, das kaum natürliche Bäume kennt 150.000 wurden in den folgenden 25 Jahren gepflanzt denn “die braucht der Mensch, um sich innerlich aufrichten zu können.” Die ganze Schönheit der SEKEM-Anlagen ist nicht Luxus oder Beiwerk sondern wohlbedacht. Abouleish und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter sehen enge Zusammenhänge zwischen der Innenwelt und der Außenwelt des Menschen und schenken dieser Wechselwirkung größte Beachtung.
Von Anfang an ist erkennbar, wie Abouleish an sein Entwicklungsvorhaben anders herangeht als andere: Tief beeindruckt von der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise der Anthroposophen stellt er sich nicht die Frage, wie man die Böden optimal ausbeuten kann; seine Überlegungen sind, wie man den Boden kontinuierlich und stetig anreichern kann. Es ist nicht nur Nehmen sondern im gleichen Maß ein Geben, eine eigenständige Zuwendung zum Boden, bei gleichzeitiger Nutzung seiner Erträge. “Die Wechselwirkung von Nehmen und Geben ist eine Gesetzmäßigkeit, die auf allen Ebenen wieder gelernt werden muss.”, erklärt Helmy Abouleish, der Sohn von Ibrahim, der heute wirtschaftlicher Leiter von SEKEM ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nicht nur Arbeitnehmer, deren Arbeitskraft optimal genutzt werden soll. “Unser Anliegen ist es, die Herzen und den Geist und die Hände der Menschen, die bei uns lernen und arbeiten, gleichermaßen zu nähren.” Vom Kleinen ins Große wird diese Idee weitergetragen. So verstehen die nationalen und internationalen Wirtschaftspartner der SEKEM-Unternehmen sich nicht als Konkurrenten, die in einem Wettkampf um eigene Vorteile pokern, sondern mit SEKEM als ein Team, das die Wertschöpfungskette zum gemeinsamen Nutzen offen legt. In jüngster Zeit hat Helmy eine 200-Mitglieder starke Vereinigung junger ägyptischer Unternehmer mitbegründet, die sich selbst einen ethischen Kodex für verantwortliches Unternehmertun gegeben hat.
SEKEM ist geprägt von einer Unternehmenskultur, in der Zusammenhänge und Wechselwirkungen jeder Art bewusst erforscht, anerkannt und gepflegt werden: die Verbindung der physischen-materiellen Welt mit den seelischen, geistigen und spirituellen Ebenen ebenso wie das Geflecht zwischen den Menschen, der natürlichen Umwelt und dem sozialen Umfeld. Damit erschüttert SEKEM die Glaubenssätze der internationalen neoliberalistischen Wirtschaftsideologie im Kern. Denn weltweit gilt es als ein Gebot wirtschaftlicher Effizienz, alle diese Zusammenhänge dem Gewinnstreben unterzuordnen, wenn nicht sogar ganz auszuklammern. Umsatzsteigerung als vorrangiges Ziel, menschliche, kulturelle und soziale Entwicklung als Beiwerk oder Abfallprodukt. SEKEM beweist, dass es anders geht.
Kommunikation und Pflege der Gemeinschaft ist ein Merkmal der SEKEM-Kultur. In allen Räumen laden runde Tischanordnungen zu Gespräch und Austausch ein. Das Ritual der Mitarbeiter-Kreise, zu dem sich die ganze Gemeinschaft im Freien zusammenfindet, ist inzwischen zu einem Symbol geworden: Mit einer kurzen Besinnung mit einem Koranvers wird der Arbeitstag in den Betrieben begonnen und die Arbeitswoche für alle abgeschlossen. So wird die gegenseitige Wahrnehmung gestärkt, ein gemeinsames Ethos bekräftigt und eine Struktur von Sicherheit und Verbundenheit geschaffen. |
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Bildung im Sinn einer ganzheitlichen und umfassenden Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit ist Kernelement des SEKEM-Projekts. Denn “zur Schaffung von Lebendigkeit, die nicht zerstörbar ist, braucht es die Hilfe des Geistigen.”, so Ibrahim Abouleish. Künstlerische Betätigung ist für alle selbstverständlicher Bestandteil des Alltags, nicht nur im Kindergarten und in den Schulen sondern auch in den Betrieben. Musizieren, Theater, Tanz, Eurythmie (die antroposophische Bewegungskunst), Malen, Töpfern - alles das wird mit Bedacht gepflegt zur Übung der Sinne und der Wahrnehmung, zur Entwicklung von Beweglichkeit, auch im Denken, und zur Stärkung von Lebensfreude und Selbstbewusstsein.
Alles auf SEKEM ist “lernende Organisation” und praxisbezogene Forschung, im Kleinen wie im Großen. Die Pädagoginnen und Pädagogen beschließen jeden Arbeitstag mit einer eineinhalbstündigen Fortbildung. Auf den Äckern und Feldern werden immer wieder neue “Pflanz-Familien” erprobt Pflanzen, die sich gegenseitig fördern und die die Schädlingsinsekteninsekten auf natürliche Weise abhalten. Mit offensichtlicher Lust an dieser Forschungsarbeit beschreibt die deutsche Landwirtin, wie dabei die Mentalitäten des Orients (die unkomplizierte Spontaneität) und die des Okzidents (die ordnende Gründlichkeit) sich bestens und fruchtbar ergänzen. In einem Speisesaal zeugt ein von einem Mäuerchen umrandeter Schacht mit Ausgang ins Freie von Versuchen, eine natürliche “Klimaanlage” ohne Elektrizität zu schaffen. Unter wissenschaftlicher Leitung werden in den Labors pflanzliche Pharmazeutika entwickelt und in der Krankenstation natürliche Heilmittel erprobt. Mit Unterstützung von nationaler und internationaler wissenschaftlicher Begleitung werden kontinuierlich alle Aktivitäten und Unternehmungen SEKEMs evaluiert und Verbesserungsnotwendigkeiten und möglichkeiten eruiert.
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